Schicksale
Im Folgenden beschreiben wir die Schicksale einiger Menschen, die sich nach vielen Jahren "Platte" OBDACH e.V. anvertraut haben. Um die Anonymität der betroffenen Menschen zu wahren, wurden in der Darstellung die Namen und einige unwesentliche Details der Schicksale verändert.
Irgendwann auf ihrer beschwerlichen Wanderung strandeten diese Menschen in Heidelberg und fanden schließlich bei OBDACH e.V. ein Zuhause. Zwei der beispielhaft genannten Männer wohnen heute noch bei uns, den dritten haben wir vor kurzem in ein Hospiz vermittelt, weil unsere ambulante Betreuung nicht mehr ausreichte, um ihn würdig zu versorgen.
Beim Vergleichen der Schicksale fallen einige Gemeinsamkeiten auf:
- Die Bedingungen, unter denen diese Menschen ihren "Lebenslauf" begannen, waren extrem ungünstig, wenn nicht gar tragisch. Das Schicksal schlug zu, bevor ein sicheres Fundament gelegt werden konnte.
- Kein Zuhause, kein Schulabschluss, abgebrochene Berufsausbildung, unregelmäßige Hilfsarbeitertätigkeiten.
- Die Beziehungen zur Freundin oder Frau zerbrechen meist an den alltäglichen Belastungen. Gemeinsame Kinder sind mehr Risiko und Last als Freude.
- Früh und mit den Jahren immer häufiger kommen sie mit dem Gesetz in Konflikt, lernen die Justiz kennen und verbringen Jahre im Gefängnis.
- Wo die alte Bundesrepublik Gefangene aus DDR-Gefängnissen freigekauft hatte - in der Regel wegen gescheiterter "Republikflucht" zu Gefängnisstrafen Verurteilte - brachte ihnen die neue "Freiheit" selten das erhoffte Glück. Allein gelassen, ohne Familie und Freunde, in einer fremden auf Leistung und Wettbewerb ausgerichteten Gesellschaft, scheiterten sie und wurden straffällig.
- Alkohol als Mittel gegen Einsamkeit und Versagen führte zu Abhängigkeit und Alkoholkrankheit z. T. in ihrer schlimmsten Ausprägung.
Rückblickend ist festzustellen, dass diese Menschen kaum eine Chance hatten, sich in unserer Gesellschaft zurechtzufinden und ein normales Leben zu führen.
