Schulprojekt
In einer Zeit, in der sich der Staat aus vielen sozialen Aufgaben zurückzieht und die Erfüllung dieser Verpflichtungen mehr und mehr der privaten Initiative überlassen bleibt, hält es OBDACH e.V. für notwendig, jungen Menschen schon während ihrer Schulzeit vor Augen zu führen, was das Schicksal "Obdachlosigkeit" bedeutet, wie schnell und unerwartet einen Menschen dieses Los treffen kann, aber auch, wie Hilfe zur Selbsthilfe aussehen und was im Einzelfall damit bewirkt werden kann.
Daher bieten wir den Heidelberger Schulen an, in den Fächern Religion, Ethik oder Gemeinschaftskunde Unterrichtseinheiten zum Thema Obdachlosigkeit, ihre Ursachen und Chancen ihrer Überwindung zu gestalten und mit den Schülern darüber zu diskutieren.
Wenn wir von unseren Erfahrungen mit ehemals Obdachlosen und ihren Problemen berichten, dann hoffen wir eine größere Toleranz gegenüber dieser Randgruppe unserer Gesellschaft zu schaffen und, im günstigsten Fall, sogar einen Beitrag zur Prävention vor Obdachlosigkeit zu leisten. Langfristig betrachtet legen wir mit unserem Schulprojekt vielleicht auch den Grundstein dafür, dass sich junge Menschen später einmal sozial engagieren.
Wie sieht unsere in den Unterricht des Lehrplans der Fächer Religion, Ethik oder Gemeinschaftskunde integrierte Arbeit mit den Schülern aus?
Oftmals sind es persönliche Fragen nach den Motiven für das ehrenamtliche Engagement und der Art der zu leistenden Arbeit, die das Gespräch in Gang bringen. In diesem Zusammenhang werden die Ziele, die Aufgaben und die Arbeitsweisen des Vereins vorgestellt.
Die Beschäftigung mit den Lebensläufen obdachloser Menschen oder solcher, die den Absprung zurück in die Normalität wieder geschafft haben, führt dazu, dass die im Einzelschicksal oft fatalen Verknüpfungen unglücklicher Umstände erkannt werden und sich plötzlich "Schuldfrage" nicht mehr stellt.
Im Gespräch mit den Schülern gelingt es erfahrungsgemäß, Barrieren zu beseitigen und in aller Offenheit Klischees zu diskutieren und abzubauen. Für den Fachlehrer kann es im Rahmen seines Unterrichts interessant sein, aus der Sicht praktischer Erfahrung Beiträge zum Thema der "Neuen Armut" aber auch zu den großen Themen unserer Ethik und Literatur wie "Toleranz" und "Willensfreiheit" zu behandeln.
Texte und Filmmaterial helfen dabei, den von uns übernommenen Unterricht lebendig zu gestalten.
Im Jahr 2006 hat OBDACH e.V. von Oktober bis Dezember an 9 Schultagen insgesamt 11 Unterrichtseinheiten gestaltet und zwar in der Carl-Bosch-Schule, in der Johannes-Kepler-Realschule, in der Johannes-Gutenberg-Schule und im Englischen Institut.
