Beschäftigung

Menschen auf der Straße, ohne Wohnung, ohne Arbeit, ohne Bindungen leben meist ohne Mut, ohne Antrieb, ohne Zuversicht. Resignation und Hoffnungslosigkeit sind die Folge von verletzenden Erlebnissen am Arbeitsplatz und in der Familie, von schlimmen Erfahrungen mit Krankheit, Schulden und Suchtabhängigkeit. Dabei gingen Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl verloren.

Dennoch besitzen diese Menschen Fähigkeiten und schöpferische Kräfte, die zwar verschüttet sind, aber angeregt und entwickelt werden können. Hier setzen die Beschäftigungsangebote von OBDACH e.V. an. Sie berücksichtigen vorhandene Wünsche und Bedürfnisse, Qualifikationen und Erfahrungen aus früheren Tätigkeiten. Auch werden bestehende Krankheiten und Behinderungen berücksichtigt.

Für die im Jahre 2004 gestartete Initiative wurden drei Beschäftigungsfelder identifiziert:

  • Nachbarschaftshilfen mit den Arbeitsfeldern Wartung, Instandhaltung, Renovierung; Werkstatt und Lagerhaltung; Hausmeisterdienste; Waschküche; Gartenpflege; Unterstützung und Betreuung behinderter Mitbewohner.
  • Beschäftigung in Betrieben und Einrichtungen wie z.B. im Heidelberger Zoo, im Radhof, im Recyclinghof, bei der Müllabfuhr und Stadtreinigung, in Baumärkten, in Schulen, Kindergärten und Sportanlagen, in Kliniken und Krankenhäusern. Hierbei handelt es sich um Aufgaben wie Assistenz der Hausmeister, Gartenpflege, Fahrradreparatur, Müllsortierung, Hilfe bei der Tierpflege etc.
  • Freizeitbeschäftigung
    durch Anregen von Koch-, Mal- und anderer Freizeitgruppen.

Die Beschäftigungsformen berücksichtigen vorhandene Fähigkeiten und versuchen diese zu vertiefen durch:

  • Einüben der Zusammenarbeit im Arbeitsteam und mit Bewohnern,
  • Beteiligung an Renovierungsaufgaben im Wohnumfeld,
  • Erlernen des Haushaltens mit den verfügbaren Mitteln und Materialien,
  • Erlernen, eigene Interessen zu artikulieren und gleichzeitig Bedürfnisse Anderer anzuerkennen.
  • Übernehmen neuer und ungewohnter Aufgaben.

Die Projekte dienen der sozialen Integration. Mit ihnen wird zunächst angestrebt, den eigenen Wohnbereich und dessen Umfeld bzgl. Sauberkeit, Hygiene, Ästhetik, Freundlichkeit zu verbessern. Es geht aber auch darum, Wohnungen von Mitbewohnern mitzugestalten, um deren Lebensqualität zu erhöhen. Die Aktivitäten der Arbeitsgruppe zur Verbesserung der Wohnumgebung wirken stimulierend auf die Bewohner selbst. Es konnte beobachtet werden, dass ihre diesbezüglichen Initiativen zunahmen und intensiver wurden.

Ein mittelbares Ziel ist es, das soziale Umfeld der Beschäftigten zu verbessern und so neue Zuversicht, neues Selbstvertrauen und neuen Lebensmut aufzubauen. Sie achten verstärkt auf sich selbst, ihr Äußeres, ihr Befinden und ihre Gesundheit. Sichtbarer Ausdruck ist ihr äußeres Erscheinungsbild und ihr Auftreten, auch im Umgang mit Fremden, z. B. Hausverwaltern und Handwerkern. Als höchst erfreuliche Folge solch positiver Erfahrungen vermindern sich Abhängigkeiten, insbesondere vom Alkohol. Einige der mitarbeitenden Betreuten sind seitdem "trocken".

Die Anerkennung des Geleisteten fördert die gegenseitige Achtung. Es sind wachsende Toleranz und Verständnis für Schwächen von Mitmenschen zu beobachten: Aggressivität im Umgang miteinander wird durch Humor oder Ironie ersetzt. Das insgesamt verbesserte "Sozialklima" entlastet die Sozialarbeiter und gibt ihnen mehr Zeit für besonders schwierige Fälle.

Illusorisch wäre es allerdings, keine Konflikte oder Rückschläge zu erwarten. Über die Einteilung und Organisation der Arbeit sowie über die Qualität der Ergebnisse herrscht nicht immer Übereinstimmung. Außerdem können nicht alle ihre Kollegen "riechen". Hier bedarf es gelegentlicher Vermittlung durch Kollegen und Sozialarbeiter. Im Allgemeinen wuchs aber das Verständnis füreinander und die Geduld miteinander.

Beschäftigunsinitiative [PDF 313 KB]